Stress mit Reihengeschäften

Reihengeschäftrechner Deutschland:

Wählen Sie die am Reihengeschäft beteiligten Länder in der Reihenfolge des Verrechnungsweges aus. Für die Beurteilung des Reihengeschäfts muss auch ausgewählt werden, welcher der beteiligten Unternehmer den Transport beauftragt. Nach dieser Auswahl erscheint unmittelbar das Ergebnis. Die bereits ausgewählten Länder können Sie jederzeit über die Eingabemaske abändern.

Land des 1. Unternehmers (U1): DeutschlandOesterreichFrankreichPolenSchweiz
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kein 4. LandDruckversion
3. Unternehmer als Lieferer
Land des 2. Unternehmers (U2):DeutschlandOesterreichFrankreichPolenSchweiz
Land des 3. Unternehmers (U3):DeutschlandOesterreichFrankreichPolenSchweiz
Land des 4. Unternehmers (U4):DeutschlandOesterreichFrankreichPolenSchweiz
Veranlasser des Transports:1. Unternehmer2. Unternehmer3. Unternehmer4. Unternehmer
             
 
Reihengeschäftrechner Deutschland / PL-FR-AT-DE U2 versendet als Lieferer
 

Sachverhalt:

Ein deutscher Unternehmer U4 (=letzter Abnehmer) bestellt bei seinem österreichischen Lieferanten U3 (=2. Abnehmer) eine Maschine. Dieser wiederum bestellt die Maschine beim französischen Großhändler U2 (=1. Abnehmer). Da der Großhändler U2 die Maschine nicht auf Lager hat, bestellt er diese beim polnischen Produzenten U1 (=erster Lieferer). Der französische Großhändler U2 holt die Maschine vom polnischen Produzenten U1 ab und liefert diese direkt an den deutschen Unternehmer U4. Der französische Großhändler U2 tritt mit seiner polnischen UID-Nummer auf und weist mittels Incoterms nach, dass er die Maschine als Lieferer befördert hat.

Kurzbeschreibung des Dreiecksgeschäfts:

  • Registrierungspflichten:
    • Der französische Unternehmer U2 muss sich im Land des 1. Unternehmers U1 (Polen) registrieren lassen.
    • Gemäß 25b.1. Abs.2 UStAE liegt in diesem 4-gliedrigen Reihengeschäft ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft zwischen U2, U3 und U4 vor, da diese drei unmittelbar nacheinander liefernden Unternehmer am Ende der Lieferkette stehen. Aufgrund der Vereinfachungsregelung für Dreiecksgeschäfte (§ 25b UStG) ist für den mittleren Unternehmer des Dreiecksgeschäfts (in diesem Beispiel der österreichische Unternehmer U3) keine Registrierung im Bestimmungsland erforderlich.

  • "Lieferung 1" von U1 (Polen) an U2 (Frankreich)
    • Ruhende Lieferung gem. § 3 Abs. 7 UStG
    • Steuerbare Lieferung in Polen (U1)

  • "Lieferung 2" von U2 (Frankreich) an U3 (Österreich)
    • Bewegte Lieferung gem. § 3 Abs. 6 UStG
    • Steuerbare steuerbefreite Lieferung in Polen (U1)
    • Steuerbefreiung gem. § 4 Zif.1 Lit.b UStG iVm. § 6a UStG (Innergemeinschaftliche Lieferung)

  • "Lieferung 3" von U3 (Österreich) an U4 (Deutschland)
    • Ruhende Lieferung gem. § 3 Abs. 7 UStG
    • Steuerbare Lieferung in Deutschland (U4)
    • Dreiecksgeschäft gem. § 25b UStG: Die Steuerschuld des österreichischen Unternehmers U3 (erster Abnehmer im Rahmen des Dreiecksgeschäfts) geht auf den deutschen Unternehmer U4 über (Reverse-Charge-Verfahren).

Detailbeschreibungen aus der Sicht der einzelnen Unternehmer:

Aus der Sicht des ersten Lieferers U1 (aus Polen):

  • Ausgangsrechnung:

    • Fakturierung:
      Diese Lieferung ist in Polen (U1) steuerbar. Die Rechnung muss daher mit 23 % polnischer Umsatzsteuer unter Angabe der eigenen (polnischen) UID-Nummer ausgestellt werden.

    • Umsatzsteuervoranmeldung (UVA):
      Erfassung des Umsatzgeschäfts als steuerpflichtige (Inlands-)Lieferung.

Aus der Sicht des ersten Abnehmers U2 (aus Frankreich):

  • Registrierung:

    • Der französische Unternehmer U2 muss sich im Land des 1. Unternehmers U1 (Polen) registrieren lassen und gegenüber U1 und U3 mit seiner polnischen UID-Nummer auftreten. Die nachfolgend angeführten Eintragungen sind dementsprechend in der polnischen UVA, ZM und Intrastat einzutragen.

  • Eingangsrechnung:

    • UVA (beim polnischen Finanzamt):
      Die in der Eingangsrechnung enthaltene polnische Umsatzsteuer kann als Vorsteuer geltend gemacht werden und ist dementsprechend in der UVA zu erfassen.

  • Ausgangsrechnung:

    • Fakturierung:
      Rechnung ohne Umsatzsteuer mit dem Hinweis auf die Steuerbefreiung gem. § 4 Zif.1 Lit.b UStG iVm. § 6a UStG (Innergemeinschaftliche Lieferung) und Angabe der eigenen polnischen UID-Nummer sowie der (österreichischen) UID-Nummer des österreichischen Unternehmers U3.
      Auf dieser Rechnung erfolgt kein Hinweis auf das Dreiecksgeschäft!

    • UVA (beim polnischen Finanzamt):
      Erfassung des Umsatzgeschäfts als innergemeinschaftliche Lieferung.

    • ZM (beim polnischen Finanzamt):
      Erfassung als (innergemeinschaftliche) Lieferung an die (österreichische) UID-Nummer des österreichischen Unternehmers U3.
      Keine Kennzeichnung als Dreiecksgeschäft!

    • Intrastat-Meldung (bei der polnischen Behörde):
      Versendungsmeldung mit Bestimmungsland Deutschland.

Aus der Sicht des zweiten Abnehmers U3 (aus Österreich):

  • Eingangsrechnung:

    • Umsatzsteuervoranmeldung (UVA):
      Die Eingangsrechnung enthält keine Umsatzsteuer. Der innergemeinschaftliche Erwerb des ersten Abnehmers im Rahmen eines Dreiecksgeschäfts gilt als besteuert und ist somit aus deutscher Sicht in Österreich nicht zu erfassen. Voraussetzung ist, dass der Unternehmer U3 nachweist, dass ein solches Dreiecksgeschäft vorliegt und er seiner Erklärungspflicht (durch Aufnahme der Ausgangsrechnung an U4 in die Zusammenfassende Meldung) nachgekommen ist.
      D.h. obwohl der Unternehmer U2 eine Innergemeinschaftliche Lieferung meldet, hat der Unternehmer U3 keinen Innergemeinschaftlichen Erwerb zu melden.

    • Intrastat-Meldung:
      Bei Dreiecksgeschäften hat der mittlere Unternehmer des Dreiecksgeschäfts (in diesem Beispiel der 2. Abnehmer U3) keine Meldepflicht.

  • Ausgangsrechnung:

    • Fakturierung:
      Die Rechnung muss ohne Umsatzsteuer ausgestellt werden und folgende Hinweise enthalten: "Dreiecksgeschäft gem. § 25b UStG" und "Übergang der Steuerschuld gem. § 25b Abs. 2 UStG" (siehe auch § 25b.1. Abs. 6 UStAE). In der Rechnung muss neben der eigenen (österreichischen) UID-Nummer die (deutsche) UID-Nummer des deutschen Unternehmers U4 angegeben werden.

    • Umsatzsteuervoranmeldung (UVA):
      Aufgrund der Vereinfachungsregelung des Dreiecksgeschäfts geht die Steuerschuld aus dieser Lieferung auf den deutschen Unternehmer (U4) über. Aus deutscher Sicht muss der Wert der Ausgangsrechnung aber dennoch in der UVA erfasst werden.

    • Zusammenfassende Meldung (ZM):
      Erfassung des Umsatzgeschäfts an die deutsche UID-Nummer des deutschen Unternehmers U4 und Kennzeichung als Dreiecksgeschäft.

Aus der Sicht des letzten Abnehmers U4 (aus Deutschland):

  • Eingangsrechnung:

    • Umsatzsteuervoranmeldung (UVA):
      Die Eingangsrechnung enthält keine Umsatzsteuer, jedoch den Hinweis auf das Vorliegen eines Dreiecksgeschäfts und den Übergang der Steuerschuld. Der deutsche Unternehmer U4 hat daher die Steuer nach den deutschen Steuersätzen selbst zu berechnen und einerseits in der Zeile 65/KZ 69 (Steuerbeträge nach § 25b Abs. 2 UStG) und andererseits in der Zeile 56/KZ 66 (Vorsteuerbeträge aus innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften gem. § 25b Abs. 5 UStG) in der UVA zu erfassen. Dieser Vorgang ist ein Nullsummenspiel und ergibt keine Zahllast.

    • Intrastat-Meldung:
      Eingangsmeldung mit Versendungsland Polen.

Anmerkungen zum Dreiecksgeschäft:

  • Obige Detailbeschreibungen aus der Sicht der Unternehmer stellen nur einen Anhaltspunkt dar, wie die steuerrechtliche Beurteilung wäre, wenn in allen beteiligten Ländern die deutschen Gesetze gelten würden. Ebenso in der Reihengeschäftzkizze wie auch in der Kurzbeschreibung wurden nationale Abweichungen zur deutschen Gesetzeslage nicht berücksichtigt! Zu beachten ist insbesondere, dass es in den meisten Mitgliedsstaaten für den 1. Abnehmer keine Wahlmöglichkeit gibt, ob er als Abnehmer oder Lieferer auftritt. Das führt zwangsweise dazu, dass die Zuordnung der bewegten Lieferung von den meisten Mitgliedsländern anders gesehen wird. Der deutsche Gesetzgeber hat für diese Möglichkeit vorgesorgt, indem er im 3.14. Abs.11 UStAE die Zuordnung der bewegten Lieferung aufgrund des Rechts eines anderen am Reihengeschäft beteiligten Mitgliedsstaates ausdrücklich anerkennt. Ebenso ist zu beachten, dass in vielen Mitgliedsstaaten die Vereinfachungsregeln für Dreiecksgeschäfte nicht im Rahmen von 4-gliedrigen Reihengeschäften angewendet werden dürfen. Eine Überprüfung, ob es derartige Regelungen auch in den anderen am Reihengeschäft beteiligten Mitgliedsstaaten gibt, sollte daher stets durchgeführt werden, bevor man entscheidet anhand welchen Rechts das Reihen- bzw. Dreiecksgeschäft beurteilt wird.

  • Allgemeine Informationen zur Beurteilung von Dreiecksgeschäften finden Sie unter www.dreiecksgeschaeft.de.

  • Die Beurteilung dieses Dreiecksgeschäfts aus österreichischer Sicht finden Sie hier.

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